„Himmlische“ Akustik in der neuen Poinger Pfarrkirche Seliger Pater Rupert Mayer

„Himmlische“ Akustik in der neuen Poinger Pfarrkirche Seliger Pater Rupert Mayer

Mit acht Monaten Verspätung fand am 10. Juni 2018 die Weihe von Poings neuer Pfarrkirche statt

Auch himmlische Projekte haben manchmal mit sehr irdischen Hindernissen zu kämpfen. Im Fall des Neubaus der Poinger Pfarrkirche Seliger Pater Rupert Mayer führte die Insolvenz des mit den Fassadenarbeiten beauftragten Unternehmens dazu, dass die ursprünglich für Oktober 2017 geplante Weihe verschoben werden musste. Im festen Vertrauen auf diesen Termin fand am 3. November 2015 die Grundsteinlegung statt, die Fundamente, Betonwände und der Glockenträger wurden sogar bereits ab Mitte 2015 erstellt. Die Arbeiten an der Fassade der neuen Pfarrkirche mussten jedoch aufgrund des Konkurses der maßgeblich am Bau beteiligten Firma im Herbst 2017 zunächst eingestellt werden, bevor sie glücklicherweise wenig später, im November desselben Jahres, wieder aufgenommen und unter anderem noch fehlende Fassadenkacheln ergänzt werden konnten. Am 10. Juni 2018 war es dann soweit: Im Rahmen eines Festgottesdienstes beging Kardinal Reinhard Marx mit einer Verzögerung von acht Monaten die Weihe der neuen Pfarrkirche, die in der Erzdiözese München und Freising die erste Kirche mit dem Patrozinium des Seligen Paters Rupert Mayer ist.

© MBBM – Außenansicht Fassadenkacheln auf Natursteinsockel der Pfarrkirche Seliger Pater Rupert Mayer

Das nach einem Entwurf des Münchner Architekturbüros meck architekten entstandene Gotteshaus dient der Gemeinde Poing seither als Pfarrkirche und bietet Platz für rund 350 Menschen. Das Gebäude, dessen massiver Sockel mit einer Natursteinverkleidung aus Nagelfluh als Symbol für den festen und unverückbaren Stand des Glaubens gelesen werden kann, löst sich nach oben durch die Belegung mit weißen Formkacheln auf, die das Licht des wechselnden Himmelspiels aufnehmen und in die Umgebung spiegeln. Auch im Innenraum empfängt den Besucher der massive Sockel aus rauen, mit natürlichen Lufteinschlüssen versehenen Nagelfluhplatten, die, allerdings in geglätteter Form, ebenfalls den Boden überziehen.

© MBBM – Der Natursteinaltar in der Poinger Pfarrkirche Seliger Pater Rupert Mayer.

Wie schon im Außenbereich schließen sich im Rauminneren ab einer Höhe von ca. 3,5 m lichte und helle Wände an, die den Blick nach oben ziehen. Die fugenlose, glatte Fläche dieser Innenwände lässt den Kirchenraum transparent und offen erscheinen, fast scheint er über dem massiven Natursteinsockel zu schweben. Der Kirchenbau wirkt durch diese geschickte Materialwahl beinahe wie die architektonische Übersetzung der Worte aus dem Vater Unser „Wie im Himmel, so auf Erden“, strebt er doch mit seinen Wänden zum Licht, während der solide Sockel ein unverbrüchliches Fundament bildet.

© MBBM - Die Umfassungswände bilden unter den Kanten der unterschiedlichen Deckenflächen ein Kreuz in der Pfarrkirche Seliger Pater Rupert Mayer.

Müller-BBM ist es zu verdanken, dass die oftmals in Kircheninnenräumen herrschende große Halligkeit und damit schwere Sprachverständlichkeit in der neuen Pfarrkirche in Poing kein Thema darstellt. Gerade in große Höhen aufstrebende Wände stehen einer guten Raumakustik entgegen, doch diese Problematik konnte Müller-BBM bravourös lösen, sodass die Akustik bereits anlässlich der Weihe der Kirche durch Kardinal Reinhard Marx überzeugte. Erreicht wurde dies durch eine leichte Schrägstellung der Umfassungswände, mit der störende Schallreflexionen und Flatterechos vermieden werden. Breitbandig schallabsorbierende Flächen in Form eines Akustikputzsystems und der Einbau einer elektroakustischen Anlage in die Kirchenbänke bilden die beiden anderen Eckpfeiler zur Erzielung der gewissermaßen „himmlischen“ Akustik in der neuen Poinger Pfarrkirche Seliger Pater Rupert Mayer.

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