Zwei Kegelstümpfe in Holzbauweise: Neue Pfarrkirche St. Josef in Holzkirchen beeindruckt mit spektakulärer Architektur und hervorragender Akustik

Zwei Kegelstümpfe in Holzbauweise: Neue Pfarrkirche St. Josef in Holzkirchen beeindruckt mit spektakulärer Architektur und hervorragender Akustik

Feierlicher Pontifikalgottesdienst zur Weihe der St. Josef-Kirche am 18. März 2018

Der bemerkenswerte Kirchenneubau St. Josef in Holzkirchen, geplant von Eberhard Wimmer Architekten BDA aus München, ist fertiggestellt und wird am 18. März 2018 im Rahmen einer Kirchweihe an die Gemeinde übergeben. Die alte Kirche aus dem Jahr 1962 musste aufgrund statischer Schäden im Dachtragwerk abgerissen werden und wurde durch das neue Bauwerk – bestehend aus Pfarrkiche, Werktagskapelle und Sakristei – ersetzt. Die ersten Eindrücke bestätigen: Es handelt sich um ein ganz besonderes Bauwerk. Die bis ins letzte Detail sorgfältige architektonische Gestaltung überzeugt durch ihre Form und die sichtbare Holzkonstruktion aus dreieckigen Grundelementen.

© Müller-BBM, Innenraum Pfarrkirche St. Josef mit Holzdachkonstruktion aus Dreieckspaneelen.


Im Auftrag der Erzdiözese München-Freising hat Müller-BBM die Architekten von Anfang an über sämtliche Planungsphasen hinweg in allen Fragen der Akustik unterstützt. Eine spannende Aufgabe, denn beide Kirchengebäude wurden vollständig in Holzbauweise als zwei Stumpfkegel mit elliptischen Grundrissen ausgebildet. Solche konkaven Rundungen gelten akustisch als äußerst anspruchsvolle Raumformen.

© Müller-BBM, Außenansicht Pfarrkirche St. Josef mit Glockenturm und zwei Stumpfkegeln.


Im Rahmen der Planung wurde der Nutzer sehr eng eingebunden. Die Erfahrungen aus dem alten Kirchengebäude zeigten, dass dort die Sprachverständlichkeit als unzureichend empfunden wurde. Messungen im alten Gebäude ergaben Nachhallzeiten von bis zu 5 s, deutlich zu lang für derartig genutzte Kirchengebäude. Die Zielsetzung für den Neubau wurde anhand von Hörversuchen und der Erfahrung von Müller-BBM ermittelt. Im voll besetzten Zustand sollte die neue Pfarrkirche eine Nachhallzeit von 2 s aufweisen, so dass gleichermaßen eine gute Sprachverständlichkeit, Orgelmusik und Gesang möglich sind. Die akustischen Abnahmemessungen bestätigen, dass dieses Ziel erreicht wurde.

© MÜLLER-BBM, Innenraum Pfarrkirche St. Josef.


Rein optisch sind die schallabsorbierenden Maßnahmen nicht zu erkennen. Einzelne Dreieckspaneele schlucken den Schall an Stellen, wo es notwendig ist. Die schallreflektierenden Paneele weisen jeweils eine geringe Neigung auf, die das Raumbild jedoch nicht verändern. Das sichtbare, den Raumeindruck prägende Stabwerk aus Konstruktionshölzern in der Pfarrkirche liefert die für die Raumakustik so wichtigen Reflexionen und sorgt für eine gute Klangdurchmischung. Die Raumschale wurde von Müller-BBM in enger Zusammenarbeit mit dem Architekten im Detail ausgearbeitet, simuliert und optimiert.

© Müller-BBM, Orgelintonation Pfarrkirche St. Josef.


Eine sehr wichtige Bewährungsprobe für den Raum liefert die Intonation der Orgel durch den Orgelbauer Frenger aus Feldkirchen-Westerham, der sich mit den akustischen Verhältnissen rundum zufrieden zeigt. Orgel und Raum bilden auch sichtbar eine harmonische Einheit. Teilnehmende Chormitglieder waren nach den Begehungen im fertiggestellten Zustand begeistert. Die Sprachverständlichkeit wird durch eine elektroakustische Anlage unterstützt. Diese ist bewusst sehr zurückhaltend in den Wandbauteilen platziert, um dem architektonischen Grundgedanken Rechnung zu tragen.

Die Werktagskapelle ist mit doppelt gekrümmten, konvexen Wandelementen ausgestattet, um die elliptische Grundform aufzulösen. Ein Teil der Fläche wurde auch hier schallschluckend ausgebildet.

© Müller-BBM, Innenraum Werktagskapelle Pfarrkirche St. Josef.

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